Das Problem
Kreislaufwirtschaft bezeichnet einen Zustand, in dem die klassischen Stationen im Leben eines Produkts – Herstellung, Nutzung und Entsorgung – nicht linear, sondern, dank Wiederaufbereitung und Wiederverwertung, zirkulär angeordnet sind. Eine ideale Kreislaufwirtschaft verbraucht Ressourcen nur in Form von Verschleiß; ein Großteil der verwendeten Materialien zirkuliert dauerhaft im System.
Wir Radfahrenden hören das nicht gern, aber auch Fahrräder sind Konsumprodukte mit einer begrenzten Lebensdauer, gefertigt unter sehr nüchternen marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Lieferketten sind meist lang, Haltbarkeit ein Kompromiss, Obsoleszenz einkalkuliert, Ressourcenverbrauch kaum Thema – und Müll schon mal gar nicht. Die schmutzigen und arbeitsintensiven Schritte bei der Herstellung von Fahrrädern wurde schon vor Jahrzehnten annähernd vollständig, überwiegend nach Fernost ausgelagert, und was kaputt ist, landet auf dem Schrottplatz.
Die Idee – Liny Bikes
Tim Röber hatte nach seinem Master in Automotive und Mechatronik keine Lust auf die klassisch kapitalistische Idee einer Wegwerfgesellschaft. Seine Leidenschaft für Fahrräder machte der Bayreuther zum zentralen Punkt seiner Geschäftsidee – ein möglichst haltbares Produkt unter fairen Bedingungen, nachhaltig, aus Komponenten und Rohstoffen mit kurzen Lieferketten lokal zu produzieren, und sich nach auch nach Ende seiner Lebensdauer weiterhin dafür verantwortlich zu zeigen. Anfang 2022 erblickte Liny Bikes das Licht der Welt.
Gründer Röber hat mit seinem Projekt versprochen, es anders zu machen als die Fahrradindustrie: Er lässt seine Rahmen in Deutschland schweißen, er maximiert die Haltbarkeit der Liny Bikes, nutzt Komponenten mit möglichst kurzen Lieferwegen und gibt bei allen Schritten seines jungen Unternehmens fairen Arbeitsbedingungen und einem möglichst geringen ökologischen Fußabdruck oberste Priorität. Und weil das ja sowieso allen Gesetzen des Kapitalismus zuwiderläuft, hat er außerdem beschlossen, mit Liny Bikes kein gewinnorientiertes Unternehmen im marktwirtschaftlichen Sinne, sondern eines der sozialen und ökologischen Wertschöpfung und der Gemeinwohlökonomie zu gründen.
Liny One – das Fahrrad
Wie anders wird ein Fahrrad, das unter so anderen Rahmenbedingungen gefertigt wurde? Wer jetzt ein wunderliches Gefährt à la Bambus-Bike erwartet, irrt gewaltig: Das Liny One sieht gut aus! Das erste Liny, schnörkellos „One“ genannt, ist ein Alltagsrad mit klaren, ruhigen Linien, bestehend aus einem optimistisch blau (wahlweise Lipstick Red) pulverbeschichteten Stahlrahmen mit 28-Zoll-Rädern, Starrgabel und Magura Scheibenbremsen. Auffälligstes Merkmal beim Liny One ist sicherlich sein Pinion-Tretlagergetriebe.
Ebenfalls ungewöhnlich: Auf der Liny-Website gibt der Hersteller ein klares Statement zum Rückkauf und der Wiederverwertung gebrauchter Räder und Komponenten in jedem Zustand.
- Stahlrahmen aus Deutschland
- Transparenz zur Herkunft von Teilen
- Fokus auf Fairness und Nachhaltigkeit
- Maximierte Haltbarkeit
- Rückkauf von Fahrrädern und Teilen – auch an ihrem Lebensende
- Vorbestellbar seit 22.10.2022 (bis 31.11.2022) mit 10% Rabatt
- www.liny-bikes.de
- Preis ab 4.491 €
Ausstattung
Schaut man in die Ausstattungsliste des Fahrrads, fallen zwei Dinge schnell ins Auge: Nämlich zum einen, dass für jede am Liny One verbaute Komponente ihr Herkunftsland angegeben wird und gleich darauf die ernüchternde Feststellung, dass ein modernes Bike ohne etliche in Asien gefertigte Komponenten scheinbar nicht machbar ist. Egal, ob Kette oder Gates-Riemen, Kurbelarme, Bremsscheiben oder Schwalbe-Reifen: Ein durch und durch ausnahmslos europäisches Fahrrad scheint aus heutiger Sicht nicht denkbar. Wir wollen seinem Erfinder wohl glauben, dass er es ernsthaft versucht haben wird.
Investor (w/m/d) gesucht
Wer das nachhaltigste Verkehrsmittel der Zukunft bauen will, braucht Unterstützung. Wer helfen möchte, Fahrradkauf ein gutes Stück grüner zu gestalten, möge sich hier beim Erfinder melden.
Ein maximal nachhaltiges Fahrrad – wie wichtig ist das für Deine Kaufentscheidung?
2 Kommentare
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Liny Bikes – transparent, fair & nachhaltig: So wird das Rad endlich rund!
Ein maximal nachhaltiges Fahrrad – wie wichtig ist das für Deine Kaufentscheidung?
den Grundsatz find ich richtig gut.
Langlebigkeit ist immernoch die Mutter der Nachhaltigkeit.
da setzt grade der Stahlrahmen richtig an 🙂
wobei man natürlich andererseits sagen muss,
das Pinion und Gates erstmal den Kaufpreis nach oben drücken (abschrecken)
da würde ich trotzdem günstigere, dem Nutzungprofil angepasste Technik angeboten sehen wollen.
günstigere Nabenschaltungen und gutgeschütze Ketten halten auch seeeeehr lang für nicht dayly-driver.
Ledersattel usw. wäre noch .... aber nicht vegan (sorry).
aja, und ein Unternehmen ist immer gewinnorientiert,
sonst funzt es nicht 😉
warum müssen diese Floskeln immer sein ?!
Und natürlich ist gerade die Pinion nicht wirklich günstig. Wenn ich allerdings günstigere Alternativen verwende, kommt dabei immernoch ein teures Rad heraus, dass aber dann eben eine verhältnismäßig billige Schaltung hat. Da müsste man dann schon bei allen Komponenten auf günstigere Varianten umsteigen, um ein günstigeres aber dennoch sinnvoll ausgestattetes Rad zu erhalten. Und dann ist man bei den Themen Haltbarkeit, Bauteilherkunft, Materialauswahl usw. schon wieder im nicht mehr so nachhaltigen Bereich.
Dass ich mein Unternehmen als nicht-gewinnorientiert beschreibe, liegt einfach daran, wie ich meine Ziele und Prioritäten setze. Natürlich muss ich auch Gewinn machen, damit das Ganze funktioniert. Wir leben ja immernoch im Kapitalismus. Mein primäres Unternehmensziel ist aber nicht, den Gewinn zu maximieren. Entscheidungen sind also nicht am Gewinn orientiert, sondern z.B. daran ein möglichst nachhaltiges Produkt zu liefern.
VG, Tim
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